Brief der neuen Schulleiterin

Liebe Schulgemeinde,                                                                                                                       November 2019

 

die ersten Wochen als Schulleiterin in Holweide liegen hinter mir. Sie waren für mich aufregend, intensiv und herausfordernd, wurden aber auch immer begleitet von viel Zuspruch und unendlich viel Unterstützung. Dafür danke ich ALLEN an dieser Stelle herzlich!!!

Da es an dieser großen Schule gar nicht machbar ist, mich allen Mitgliedern der Schulgemeinde persönlich vorzustellen, entstand die Idee eines Vorstellungsbriefes auf der Schulhomepage, der ich hiermit versuche Rechnung zu tragen. Der Brief enthält auch Auszüge aus meinen Vorstellungen vor der Lehrer*innenversammlung und vor der Schulkonferenz im Juli dieses Jahres.

 

Persönliches und beruflicher Werdegang

Ich bin 1962 in Dortmund geboren, verheiratet und habe einen 33jährigen Sohn. Zum Magisterstudium (Germanistik, Romanistik und Völkerkunde) bin ich 1983 nach Köln gekommen. Nachdem ich mich entschieden hatte, doch noch Lehramt zu studieren, bin ich im Jahre 2000 als Referendarin an die Gesamtschule Holweide gekommen. Mit einer kurzen Unterbrechung an einem Berufskolleg bin ich dieser Gesamtschule bis Februar 2016 treu geblieben.

2016 bin ich an die Gesamtschule Hagen-Eilpe gegangen, weil sich mir dort die Möglichkeit bot als Didaktische Leiterin zu arbeiten, was ich mir immer schon gewünscht hatte.

Die Arbeit an der Hagener Schule hat mir sehr viel Freude bereitet und ich konnte viele Erfahrungen in der neuen Leitungsrolle machen.

Nichts desto trotz fehlte mir einfach Köln! Als sich mir im September 2018 dann die Möglichkeit bot, als Koordinatorin für inklusive Schulentwicklung an der Lise-Meitner-Gesamtschule in Köln Porz anzufangen, habe ich nicht lange überlegt und die Chance wahrgenommen. Relativ zeitgleich wurde die Schulleitungsstelle in Holweide vakant und ich begann mich auch dafür aus den folgenden Gründen zu interessieren.

 

Gründe für die Schulleitungsstelle in Holweide

Ausschlaggebend für die Bewerbung waren für mich besonders diese 4 „Weils“:

1. Weil: weil ich an dieser Schule beruflich sozialisiert worden bin und mir diese Schule ganz besonders am Herzen liegt!

2. Weil: weil hier ganz viel bemerkenswertes Potenzial ist, ganz viele unterschiedliche Persönlichkeiten, vielleicht auch z. T. eigensinnige Menschen, die kreativ und engagiert sind, politisch und kritisch denken, die aber alle eine Idee verbindet, und zwar die der größtmöglichen Bildungsgerechtigkeit und der bestmöglichen Entwicklung für jede einzelne Schülerin und jeden einzelnen Schüler.

Auch Eltern und Schüler*innen sind an dieser Schule in einer Weise engagiert, wie ich es selten erlebt habe. Natürlich würde ich mich freuen, wenn noch viel mehr Eltern sich zur Mitarbeit entschließen könnten, vor allem auch Eltern mit anderen kulturellen Wurzeln.

3. Weil: weil ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass die feste Teamstruktur eine der wenigen Möglichkeiten bietet, die enormen und stetig wachsenden Herausforderungen zu bewältigen und vor allem den Kindern (inklusive der Förderkinder!!!) unter den gegebenen Bedingungen gerecht zu werden.

4. Weil: weil ich „Schule leiten“ nicht als Anrecht verstehe, sondern als eine Riesenverantwortung, vor der ich großen Respekt habe, da es sich um eine Aufgabe handelt, die nur mit Unterstützung eines Schulleitungsteams und vielen Verantwortlichen in einer klar strukturierten flachen Hierarchie zu bewerkstelligen ist.

 

Mein Führungsverständnis

Auf Grundlage dieser verteilten Führung ist für mich das Beziehungsmanagement eines der wesentlichen Elemente im Rahmen der Leitung einer Schule. (Es macht ca. 80% des Leitungshandelns aus!)

Wenn das Beziehungsmanagement funktioniert, profitieren sicherlich auch alle anderen Akteure im schulischen Kontext: nicht nur die Kolleginnen und Kollegen, sondern auch die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und das nicht-pädagogische Personal!!!

Wirksame Führung bedeutet für mich auch, dass sie nicht auf Anordnung/Zwang und übermäßiger Kontrolle (was nicht heißt, dass nicht kontrolliert wird!!) beruht, sondern in erster Linie auf Überzeugungskraft und Vorbild.

Schule leiten heißt für mich auch, Strukturen zu schaffen, die Kommunikation, Informationsfluss und Transparenz gewährleisten bei einem möglichst ressourcen-schonenden Management, das langfristig eine nachhaltige Reduzierung von Belastung ermöglicht.

Schlussendlich ist es von enormer Bedeutung einen besonderen Fokus auf die Verbesserung der Unterrichtsqualität zu lenken, damit Schüler*innen wirklich individuell gefördert werden, nicht im Gleichschritt, sondern nach individuellen Voraussetzungen und Möglichkeiten, damit sie Kompetenzen erlernen, die ihnen helfen, sich persönlich zu entfalten und ihren eigenen optimalen Lebensweg zu finden, damit sie den Zusammenhang mit der Welt erkennen und diese Erkenntnis lebendig halten.

Das geht oft im Unterricht, aber sicherlich noch öfter durch Projekte und andere außerschulische Lernerfahrungen, die den Horizont erweitern und die Schüler*innen vor bislang unbekannte Herausforderungen stellen.

 

Nächste konkrete Schritte

Es gibt viele Themen und Prozesse, die anstehen und denen wir uns als Schulgemeinde in der nächsten Zeit stellen müssen:

Es wird um den Generationenwechsel gehen und die Frage, wie auch die neuen und jungen Kolleg*innen mitgenommen werden; wie wir all die positiven Traditionen zunächst ermitteln und dann erhalten und optimieren können und wie wir die bewährten Elemente mit veränderten und neuen Impulsen zu einer gewinnbringenden Symbiose verbinden können. Dazu gehört meiner Ansicht nach, die Professionalisierung und Systematisierung von bereits bestehenden Strukturen (auch Teamstrukturen!), Aufgabenbeschreibungen und Zuständigkeiten detailliert und unter Berücksichtigung des Geschäftsverteilungsplanes neu zu definieren. Erste Schritte in diese Richtung haben wir in den letzten Wochen schon getan.

Es wird weiterhin um den Kampf gehen, den Holweide-Erlass zu retten, der meiner Ansicht nach für eine erfolgreiche schulische Praxis steht, die gerechtere Bildungschancen ermöglicht. An dieser Stelle auch noch einmal herzlichen Dank an die engagierten Eltern, die uns in diesem Prozess so intensiv unterstützt haben!!!!

Nur wenn wir gemeinsam gemeinsame (+ Eltern und Schüler*innen) Ziele entwickeln und uns auf eine gemeinsame Vision von guter Schule verständigen, wird es uns gelingen, diese Veränderungen in Angriff zu nehmen und eine Agenda für die Zukunft zu entwickeln.

 

Ich glaube an den Satz von P. Senge:

Wirkung entsteht durch Zusammenwirken (aller Beteiligten!!!)

 

Christa Dohle

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